Gedanken, Lieder und Gedichte (1933-1945)
Einige Beispiele aus den Bünden


 
"tusk" 1934, Berlin
In einem seiner letzten Rundbriefe an seine Getreuen:
 

              "...und so ersuche ich euch, die "deutsche autonome jungenschaft" und das Kürzel "dj.1.11" weder in Liedtexten noch in schriftlicher Form weiter in der Öffentlichkeit zu erwähnen."

Aber auch:
"Einmal wird wieder die märchenhafte Sonne der dj.1.11 erstrahlen, und so war nichts umsonst."
Der Bund war aufgelöst. In Kleingruppen lebte er jedoch weiter.

Verlasst die Tempel fremder Götter,
glaubt nicht, was ihr nicht selbst erkannt!
...
Dann wird gelacht und toll gesungen,
graues Panier wird stumm bewacht.
Hoch unser Land und seine Jungen,
dj.1.11 und seine Pracht.
Jede Macht, jede Nacht, jede Schlacht
für unsern großen Kameraden.

Mündlich überliefert, erschienen in: Karl von den Driesch: "Entwicklungen, Fernweh und Großfahrten Bündischer Jugend in der Nachkriegszeit". Baunach 1996

 
Helle Hirsch, Stuttgart, zum 1.11.1935
(Verse aus zwei Gedichten)

  einmal wieder, kameraden,
werden unsre lieder klingen
und wir werden singen, singen,
bis der letzte stern erlischt.

einmal, einmal, kameraden,
wird ein morgen hell erwachen,
vogelstimmen werden lachen,
und es wird wie früher sein.

Und Januar 1936

wo wir wilde chöre einst gesungen
wo ich bunte fahnen einst geschwungen
ist nur föhn,
der um die steine stöhnt.

alles, alles, was wir hier erträumt,
alles, alles, was wir heiss ersehnt,
ist verschäumt,
ins feuchte gras verströmt.


Er wurde 1937 in Plötzensee hingerichtet wegen des gescheiterten Versuchs eines Bombenattentats auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände.


Nerother Wandervogel, Ordenslied der illegalen "Pachanten", 1933

Text: Paul Leser, Frankfurt/Main - Melodie "Gleich wie die Möwe..."


  Wir pfeifen auf den ganzen Schwindel, Beruf und Schule, Stellung, Geld
und tobt auch das Parteigesindel, Hussa! Der Bund ist unsre Welt.
Der Bund, dem wir die Treue halten in böser wie in guter Zeit,
wir weichen keinen Kampfgewalten: Wir stehen fest, wir sind bereit!

Robert Oelbermann, Bundesführer des Nerother Wandervogels: Nicht diskutieren, Kameraden singt!
Er kommt am 29.04 1936 im Konzentrationslager Dachau ums Leben.
 

Bauhütte:

Text: Hans Poppelreuter

Wir schaffen am Werk,
Wir ringen uns durch,
Wir bauen auf trutzigem Berg
Die Burg!

Wir fällen das Holz,
Wir brechen den Stein,
Wir jauchzen ins wilde Waldtal hinein:
Heijo!

Wir führen den Pflug,
Wir säen das Feld,
Für Deutschlands Jungen; wir wollen kein Geld!
Heijo!

Wir fügen den Stein
Zum ragenden Turm,
Die wuchtigen Mauern, sie trotzen dem Sturm!
Heijo!

Einst ragst du hoch auf,
eine steinerne Wehr,
und kündest: Mich baute ein Jungenheer!
Heijo!

Wir schufen das Werk,
Wir rangen uns durch,
Wir bauten auf trutzigem Berg
Die Burg!
 
 
"Deutsche Jungenschaft" in der Illegalität (1934 - 1945)

Als Hymne hatte sie sich Friedrich Gundolfs "Lied der inneren Emigration" erwählt:
 
  Schließ’ Aug’ und Ohr für eine Weil’ vor dem Getös’ der Zeit.
Du heilst es nicht und hast kein Heil, als wo dein Herz sich weiht.

Dein Amt ist hüten, harren, sehn im Tag die Ewigkeit.
Du bist schon so im Weltgescheh’n befangen und befreit.

Die Stunde kommt, da man dich braucht, dann sei du ganz bereit.
Und in das Feuer, das verraucht, wirf dich als letztes Scheit.
 

 
"Deutsche Jungenschaft" (nach 1945)


"Wir haben nichts zu versprechen, keinen Sieg, kein glänzendes Reich, keinen Dank, keinen Lohn. Du musst selbst wissen, ob du diesen Weg gehen willst. ... Wer die Mühen langsamen Wachstums scheut, wird nirgends Fuß fassen."


Walter Scherf (tejo) in: Unser Schiff, Die erste Flugschrift der deutschen Jungenschaft, Göttingen 1947

"Da wir träge geboren sind, bedarf es eines Falken." (Hölderlin)
, zitiert von Michael (meik) Jovy, Köln, in der Gründungsurkunde des Landkreises West, 1947.

 
 
Bund Deutscher Pfadfinder (BDP)

Ein ausgesprochenes Bundeslied ist nicht bekannt.
Für alle Pfadfinder und Bündische mag das Lied
"Weißt du, warum du mit uns gehst!" Bedeutung haben:


  Weißt du, warum du mit uns gehst
Auf den Weg voll Müh und Gefahr,
warum du mit uns am Feuer stehst,
wenn Sturmwind zaust unser Haar?

Fühlst du, wie in uns Sehnsucht glüht,
die immer vorwärts uns treibt,
siehst du, wie vor uns die Fahne zieht,
unser Leben verschworen ihr bleibt.

Du weißt nicht, wohin der Weg uns führt,
nur daß wir zusammen gehn,
du hast wie wir das Feuer gespürt
und der starken Winde Wehen.

Erschienen in:
Wagen rollen auf endlosen Wegen. Neue Lieder der Großfahrt, Günther Wolff, Plauen i.V.
 

 
Weinbacher Wandervogel, vorwiegend in Frankfurt/Main und Hessen beheimatet
Da kein Bundeslied bekannt, nachfolgend zwei Verse eines der aussagekräftigsten Wandervogellieder:


 
die weite, die grenzenlos in sich das leben verschließt,
ist unsere sehnsucht, die nie sich erfüllt.
wir tragen im herzen ein heimliches bild
von seltsamer fremde, die über die berge uns grüßt.
             wir sind wie der wind, der über landstraßen geht,
ein fahrendes volk in die weite verweht.
das fernwehfeuer im ruhlosen blut,
ein sonnenleben in farbiger glut.

uns zeigt sich die ferne als lockendes, wechselndes bild,
das niemals sich gleicht, wo der weg uns auch ging.
ob wilder nordwest sich am nordseedeich fing,
ob einsam die heide uns grüßt in ihr schweigen gehüllt.
     wir sind wie der wind, der über landstraßen geht,
ein fahrendes volk in die weite verweht.
das fernwehfeuer im ruhlosen blut,
ein sonnenleben in farbiger glut.

Worte und Weise Richard Grüßing 1931, mdl. überliefert.
 

"Deutsche Freischar" – Bund der Wandervögel und Pfadfinder

Bundeslied "Der Lebensbund"
 

  Allen gleicher Seele wend ich durch den blauen Tag mich zu,
allen Brüdern, Schwestern send ich mein geschwisterliches Du.
Danken wollen wir der Sonne und dem frischen Morgenwind,
dass sie uns so vieler Wonne Bringer und Gefährten sind.
Danken wollen wir mit Lachen in den jungen Maienwind,
dass wir unter tausendfachen Fährden so geworden sind.
So! was brauch ich mehr zu sagen, alle fühlt ihr dieses so,
und wir wollen auch nicht fragen, unsrer Art von Herzen froh.
Eines Bunds geheime Glieder finden wir uns allerwärts;
Und ich schenk euch meine Lieder und ihr schenkt mir euer Herz.

Text: C.Morgenstern, Melodie: Tir na nOg
 

 
Grabinschrift für einen Wandervogel auf dem Dahlemer Friedhof, Berlin
Zugvogel, Deutscher Fahrtenbund

  Wer hat euch Wandervögeln
Die Wissenschaft geschenkt,
Daß ihr auf Land und Meeren
Nie falsch die Flügel lenkt?
Daß ihr die alte Palme
Im Süden wieder wählt,
Daß ihr die alten Linden
Im Norden nicht verfehlt.

Quelle: Werner Helwig, Die blaue Blume des Wandervogels, Baunach 1998, S. 22, 31, 43, 328)
 

 
Maulbronner Kreis, Traditionsgemeinschaft ehemaliger Angehöriger der dj.1.11 und Führer der Nachkriegsjungenschaft. (Gegründet 1956)

"Als wir 1945 die erste große Jungenschaftshorte in Württemberg schufen, war uns allen klar, warum wir das taten. Wir hatten die Not des verlorenen Krieges noch in den Knochen. Wir spürten die Wirrnisse und Unklarheiten der Nachkriegszeit am eigenen Leibe. Wir wollten das von dj.1.11 geschaffene Jugendleben mit Ethik, Kultur, Fahrt und Lied neu beleben und weiter entwickeln, um es der gesamten deutschen Jugend zugänglich zu machen. Dieses Jugendleben war für uns nicht Selbstzweck. Es sollte uns Kraft für unsere Arbeit geben und unsere Gemeinschaft festigen. Auch bei dj.1.11 war dieses Jugendleben niemals Selbstzweck."

Fritz Jeremias (Muschik) 1950

Hymne des Maulbronner Kreises ist das von tusk geschaffene ehemalige Bundeslied "Zug der Schwäne":
 

  Über meiner Heimat Frühling
Seh ich Schwäne nordwärts fliegen.
Ach mein Herz möchte sich auf grauen
Eismeerwogen wiegen.
Schwan im Singsang deiner Lieder
Grüß die grünen Birkenhaine.
Alle Rosen gäb ich gerne
Gegen Nordland Steine.
Grüß mir Schweden, weißer Vogel,
setz an meiner Statt die Füße
auf den kalten Fels der Ostsee.
Sag ihr meine Grüße.
Grüß das Eismeer, grüß das Nordkap,
sing den Schären zu, den Fjorden,
wie ein Schwan sei meine Seele
auf dem Weg nach Norden.
 
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