Aus: "Wir hatten andere Träume - Kinder und Jugendliche unter der NS-Diktatur"
         Jutta von Freyenberg, Barbara Bromberger, Hans Mausbach
         1995 VAS - Verlag für Akademische Schriften
         ISBN 3-88864-076-8
         Seiten 137 bis 139

"Verlaßt die Tempel fremder Götter ..."

Interview mit Herbert (Berry) Westenburger

Ich bin am am 5. Januar 1920 in Frankfurt am Main geboren und im Holzhausenviertel aufgewachsen. Mein Vater war Architekt. Meine Mutter ist in Amerika geboren, sie hatte die amerikanische Staatsbürgerschaft bis zu ihrer Heirat 1917. Mein Großvater war nach USA ausgewandert, wo er meine jüdische Großmutter kennengelernt hatte. Um die Jahrhundertwende kam mein Großvater aus familiären Gründen mit seiner Familie wieder nach Deutschland zurück. Meine Eltern trennten sich 1924, ich lebte bei meiner Mutter, die 1929 meinen Stiefvater heiratete. Er war Jurist.

Bündische Jugend

Meine eigene bündische Prägung erhielt ich durch zwei in Aufbau und Wesensart sehr verschiedene Bünde. Im Frühjahr 1932 wurde ich durch Klassenkameraden für den Nerother Wandervogel "gekeilt". Berühmt und bewundert wurden die Nerother wegen ihrer weltweiten Auslandsfahrten, die sie vom Nordkap bis Kapstadt, von Japan bis Rio führten. Ihre Filme und Liederabende wurden bis 1934 Treffpunkt bündischer Gruppen aller Lager. Bundesführer waren die Zwillingsbrüder Robert und Karl Oelbermann. Nach dem Verbot der bündischen Jugend trafen sich die Frankfurter Nerother in geheimen Zirkeln und riefen einen illegalen Orden, den Orden der Pachanten, ins Leben. Ich selbst ging jedoch mit wenigen Freunden weiterhin auf Fahrt, und unsere Heimabende hielten wir in den Wohnungen der einzelnen Teilnehmer ab. Nach und nach kamen aus anderen Gruppen neue Ehemalige dazu. Durch sie kam der Anstoß zu einer Neuorientierung.

Die ebenfalls verbotene "Deutsche autonome Jungenschaft" vom 1. 11. 1929 (dj.1.11), bekannt durch ihre konspirative Art der Unterwanderung anderer bündischer Gruppen, um dort Mitglieder anzuwerben oder gleich die ganze Gruppe dem eigenen Bund einzuverleiben, war mir schon lange durch ihre Zeitschriften, die Kohte, die Kluft, den Chorgesang nach russischem Vorbild aufgefallen. Neben Klampfe hatte man Balalaika, Banjo, Trommel und Gong zum Musizieren eingeführt. Etwa 1936 gründeten 12 jungenschaftlich inspirierte Jungen die "deutsche autonome jungenschaft Frankfurt", Eines hatten jedoch beide Bünde gemeinsam: Ihre Bundesführer wurden rücksichtslos verfolgt. Für die NS-Ideologen waren die Nerother Internationalisten und Asphaltromantiker, national nicht verläßlich. Robert Oelbermann kam 1941 im KZ Dachau um, sein Bruder Karl emigrierte mit 14 Nerothern nach Südafrika. Eberhard Koebel, tusk, Gründer und Führer der dj.1.11, floh 1934 in letzter Minute über Schweden nach England. Er stand auf der Liste der zu Ennordenden beim Röhm-Putsch. Die dj.1.11 wurde als kulturbolschewistisch abgestempelt. tusk war 1932 in die KPD eingetreten, gefolgt von einigen seiner Unterführer. Nach ihm führte "Bill" Claus den Bund, danach Jochen Hene, der die Gruppen unter dem Namen "Deutsche Jungenschaft" weiterführte. Auch er kam in Haft.

Wie unterschiedlich die Naziherrschaft von Nerothern und dj.1.11 eingeschätzt wurde, zeigen zwei Liedtexte: Die Nerother sangen: "Wir pfeifen auf den ganzen Schwindel, Beruf und Schule, Stellung, Geld, und tobt auch das Parteigesindel, Heijo, der Bund bleibt unsre Welt!" Während die sangesfreudigen Weltenbummler Parteibonzen und Spießer eher auf die Schippe nahmen, war der Text eines in der Illegalität entstandenen Liedes der dj.l.ll schon aufrührerischer: "Verlaßt die Tempel fremder Götter, glaubt nur, was ihr auch selbst erkannt. .., Nachts wird getanzt und toll gesungen, graues Panier wird stumm bewacht, Hoch unser Land und seine Jungen, dj.l.ll und seine Macht," Solche aufmunternden, zur Widerborstigkeit anregende Verhaltensweisen waren für eine Diktatur auf Dauer unerträglich. Die Schergen schlugen zu, um bündisches Gedankengut ein für allemal auszurotten. Ehrlicherweise darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß über 90 Prozent der Jugendlichen in die Hitlerjugend eintraten. Ein Teil war von den jeweiligen Bundesoberen dazu ermuntert worden, um, wie diese sich vorstellten, die HJ zu unterwandern, andere waren von ihren Eltern veranlaßt worden, dort mitzumachen.

Die rot-graue Garnison

Unsere zehnköpfige Gruppe traf sich zu Heimabenden im Frankfurter Nordend, in der Gleimstraße 20. Dort wohnte mein Freund Bert bei seiner Großmutter. Bert hatte seine eigene Bude, und Oma Müller war großzügig genug, unsere oft lautstarken Treffen zu tolerieren. Die Bezeichnung rot-grau hatten wir, wie viele andere Stilelemente, von der alten dj.l.11 übernommen. Rot-grau waren die Bundesfarben. Vor der Machtübernahme der Nazis gab es in vielen Städten sogenannte Garnisonen. Hier trafen sich die Mitglieder zu Sing- und Diskussionsabenden. Die Garnisonen boten durchreisenden Freunden die Möglichkeit, unter Gleichgesinnten zu sein. Der Raum selbst war mit genügend Sitzgelegenheiten ausgestattet, um 10-12 Personen unterzubringen. An den Wänden hingen großformatige Fahrtenfotos, die Regale waren mit Büchern vollgestopft. Viele davon waren inzwischen verboten oder verbrannt. Gitarren, Balalaiken und Banjos hingen oder standen herum. Auf dem Tisch summte ein Samowar. Wir tranken Tee. Der bündische Betrieb war in vollem Gange: Heimabende und Fahrten.

Die Verfolger

Bei den Wochenendfahrten, meist in den Hintertaunus, mußten wir aufpassen, daß wir nicht dem HJ-Streifendienst in die Arme liefen. Mit dieser Art Jugendpolizei gab es häufig Prügeleien. Der Streifendienst, manchmal verstärkt durch jüngere SA-Männer, lag an den Hauptausfallstraßen der Stadt auf der Lauer. Er sollte verbotene Fahrtengruppen dingfest machen. Eine größere Schlägerei gab es 1933 am alten "Haus der Jugend" am Dornbusch. Dort sollte der Nerother Weltfahrerfilm "Unter Gauchos und Indianern" gezeigt werden. Die ganze bündische Szene gab sich ein sangesfreudiges Stelldichein, teilweise in Kluft mit Wimpeln und Fahnen. Die HJ-Bannführung hatte die Filmvorführung zuerst genehmigt, dann marschierte plötzlich HJ, SA und Polizei auf. Es gab eine Prügelei und zahlreiche Festnahmen. Unsere Gruppe konnte entwischen. Als 13- und 14jähriger konnte man noch über Zäune springen. Oktober 1935 war ich als Gast bei einem ehemaligen Nerotherfreund zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen. Die sieben Anwesenden sangen laut. Zu laut, denn plötzlich hatten wir den HJ-Streifendienst und die Gestapo am Hals. Die Feier wurde aufgelöst, die Musikinstrumente beschlagnahmt. Wir wurden vor dem 6. Sondergericht beim Landgericht Frankfurt angeklagt, das Verfahren wurde später eingestellt. Dies waren nicht die letzten Zusammenstöße mit der Staatsmacht, es folgten noch einige in den kommenden Jahren.

Der Bündische Selbstschutz

Die politischen Tagesereignisse zwangen uns zu erhöhter Wachsamkeit. Der spanische Bürgerkrieg, die Nürnberger Rassegesetze, das HJ-Staatsjugendgesetz machten uns hellhörig. Wir hatten immerhin vier Freunde in unserer Gemeinschaft, die nach damaligem Sprachgebrauch "Mischlinge" waren. Ich war einer von ihnen, daher nie in der HJ. Als das gemeinsame Singen in der Garnison zu gefährlich wurde, suchten wir uns eine Hütte im Taunus. Wir fanden sie in Wüstems.

Mit der Hütte als Basis wollten wir ab etwa Frühjahr 1938 größere Unternehmungen starten. Wir dachten an ein Kohtenlager mit auswärtigen Freunden. Auf einer unserer Wochenendfahrten lernten wir einen gewissen Janek kennen. Er hat uns die ganze "rote Kiste" beigebracht: Tucholsky, Brecht, Kästner. Soweit vertont, sangen wir die Lieder auch. Janek konnte viel erzählen. Er hatte im Januar 1933 auf dem Schornstein der Heddernheimer Kupferwerke in Frankfurt am Main eine rote Fahne gehißt. In Paris hatte er sich als Freiwilliger zur Interbrigade nach Spanien melden wollen. Dort angekommen, drohte seine Braut Ruth, ihn für immer zu verlassen. (Er hat sie 1940 im Krieg geheiratet). Wir jedenfalls fanden, daß er bei uns gut aufgehoben sei. Marx und Engels haben wir nicht gelesen, das hat uns nicht interessiert. Aber es gab eine Menge Schriftsteller, die für uns wichtig waren, z.B. Traven, der ja sehr sozialkritisch geschrieben hat. Egon Erwin Kischs "rasende" Reportagen und Roda Rodas das Militär lächerlich machende Kurzgeschichten gehörten ebenso zu unserem Lesestoff wie Gogols "Taras Bulba" oder andere russische Literatur. Wie überhaupt das Leben der Kosaken unsere besondere Aufmerksamkeit auf sich zog. Wir trugen Russenblusen, spielten Balalaika und bereiteten unseren Tee mit einem Samowar. im Sommer 1938 versuchte ich, einige uns gut bekannte illegale Gruppen und Einzelpersonen für ein im September geplantes Kohtenlager im Hintertaunus zu begeistern. Ich trampte nach Freiburg: Halle, Aschersleben, Nürnberg und Dresden. Heino und Ott aus Mönchengladbach, die ich erst unterwegs kennengelernt hatte und mit in die Garnison nahm, wollten auch mitmachen. Um ganz sicher zu sein, daß keine Unbefugten sich bei uns einschlichen, ließ ich in der Schweizer Straße in Frankfurt in einer kleinen Druckerei visitenkartengroße Mitgliedsausweise drucken, die dann an die älteren - auch an die beiden Mönchengladbacher - verteilt wurden. Ab sofort gab es jetzt einen "Bündischen Selbstschutz". Die Kontakte wurden ungemein eng, der Austausch von Büchern und Liedertexten, eines kleinen Rundbriefes. Wir förderten den Gedankenaustausch und den jungenschaftlichen Zusammenhalt. Verläßlichkeit war höchstes Gebot. Freundschaft und gleiche Interessen, die gemeinsame Ablehnung des Regierungsapparates und der Wunsch, unsere Jugendaktivitäten selbst zu bestimmen, waren die Grundlage unserer bündischen Gemeinschaft.

Die Verhaftung

Anläßlich eines weiteren Besuches der Mönchengladbacher Heino und ött bei uns in Frankfurt berichteten sie von ihrer Festnahme auf der vorherigen Rückreise. Die Gestapo hatte sich für die beiden interessiert. Bei einer Hausdurchsuchung fand man die Ausweise des Bündischen Selbstschutzes und unsere Adresse in Frankfurt. Janek riet davon ab, das geplante Kohtenlager durchzuführen. Ich trampte los, um den anderen Freunden davon Mitteilung zu machen und über die Vorfälle zu berichten. Als ich am 23. September 1938 von meiner Trampfahrt zurückkam, warnte mich meine Mutter, bei der ich meinen Hausschlüssel hinterlegt hatte. Alle Freunde seien inzwischen verhaftet, und ich sei der letzte, den man noch suchte. Eine Hausdurchsuchung hatte auch stattgefunden. Wir verabredeten uns im Café Laumer. Dort wurde ich dann wenig später von zwei Gestapobeamten festgenommen und in das Polizeigefängnis Klapperfeld gebracht. Auch andere Freunde waren bereits dort. Chrischan hatte sich rechtzeitig in seine Heimatstadt Pirmasens abgesetzt. Zwei andere waren beim Militär und Reichsarbeitsdienst und daher nur zum Verhör vorgeladen worden. Die Aktion betraf mit wenigen Ausnahmen alle unsere auswärtigen Anlaufstellen. Nur die Berliner, Düsseldorfer und Nürnberger Freunde wurden nicht ausgehoben. Bei den Vernehmungen wurden uns verbotene Treffen, Wanderfahrten außerhalb der Staatsjugend, Gründung einer neuen bündischen Gemeinschaft und allgemeines staatsfeindliches Verhalten zur Last gelegt.

Musikinstrumente, verbotene Literatur, vor allem linke und regimekritische, sowie alle Liederbücher und bündische Zeitschriften wurden beschlagnahmt. Wochen später mußte ich eine Bescheinigung unterschreiben, daß alle Musikinstrumente und Bücher, mit Ausnahme der verbotenen, an die Bannführung der HJ abgegeben wurden. Das Untersuchungsgefängnis Hammelsgasse war für lange Wochen unser Zuhause. Die Verhöre fanden meistens in der Gestapozentrale in der Gutleutstraße statt. Man wurde durch einen getarnten Eingang in der damaligen Bürgerstraße eingeliefert, der am rückwärtigen Gebäude der angrenzenden Gutleutstraße war. Diesmal war das 4. Sondergericht Berlin zuständig. Mehr als fünf Staatsanwaltschaften waren. mit unserem Fall befaßt. Man vermutete eine große Verschwörung. 14 Bündische wurden angeklagt. Im Frühjahr 1939, Spoy in Halle war bereits zu sechs Monaten verurteilt, kamen wir frei. Nach und nach, je nach Einlieferungstermin. Eine Generalamnestie im Herbst 1939, die zu Kriegsbeginn erlassen wurde, uns jedoch zu Soldaten machte, verschonte mich und meine Freunde vor Schlimmerem. Die Hütte in Wüstems war von der HJ und SA geplündert und zerstört worden. Ein schönes Erlebnis hatten wir bei unserer Heimkehr. Oma Müller hatte sich während der Hausdurchsuchung in ihrem Sessel auf eine große Dose mit Filmen, Fotoalben und Liederbüchern gesetzt. So war ein kleiner Rest gerettet.

Der Krieg

Nach meiner Grundausbildung kam ich im Winter 1939 an den Westwall. Janek lag im Schwarzwald. Wir trafen uns gelegentlich bei Kurzurlauben in Karlsruhe. Ende 1940 wurde ich nach Berlin verlegt. Sofort nahm ich Verbindung mit unseren Jungenschaftsfreunden aus dem Bündischen Selbstschutz auf. Wir trafen uns in einer Laubenkolonie, in Bootshäusern, in einem alten Stall, der zu einem Bauernhaus gehörte und von der Berliner Gruppe als Heim ausgebaut worden war. Wir nahmen unser bündisches Leben wieder auf mit Segelsport, Kanufahren, Singen und Fahrten.

Meinen Resturlaub hatte ich für Frankfurt aufgehoben, wo ich Bert treffen wollte, der nach einer Diphterie einen Genesungsurlaub bekommen hatte. Heia, einer der Berliner, wollte unbedingt mitfahren. Er war noch nicht Soldat. Man bekam jedoch nur als Soldat eine Fahrkarte und einen Berechtigungsschein für eine doppelte Lebensmittelration. Ich stahl in der Schreibstube ein Soldbuch und Blanko-Urlaubsscheine, füllte sie mit den dazu notwendigen Daten aus und hoffte, daß alles gut ging. Meine Ausgehuniform wurde von Heias Schwester auf seine Größe gekürzt. Als wir in Frankfurt ausstiegen, wäre beinahe die Sache aufgefallen. Heia konnte noch nicht richtig militärisch grüßen und strammstehen. Ein Offizier schiß ihn zusammen und verlangte unsere Papiere. Wir hatten Glück! Dann holten wir uns die doppelten Lebensmittelrationen, ich weiß noch, daß es Schinken, Salami und Butter gab. Dazu muß man wissen, daß unsere Handlung als "Diebstahl am deutschen Volksvermögen" mit Zuchthaus und Versetzung zu einer Strafkompagnie an der Front hätte bestraft werden können.

Viele Male, sooft es der Krieg zuließ, legten wir unsere Urlaube zusammen und trafen uns entweder in Berlin oder in Frankfurt. überhaupt waren die Berliner die aktivsten Mitstreiter. Als Studenten oder in Rüstungsbetrieben beschäftigt, hatten sie noch eine Schonzeit. Aus allen Ecken Europas kreuzten sich unsere Briefe, wir sehnten das Ende herbei.

Wieder in Berlin, trafen wir eines Abends in der Wohnung von Hasch und Conny neue Leute, darunter Fritz Rehmer, genannt Remus, und seine Verlobte Liane Berkowitz. Remus forderte uns auf, dazu beizutragen, daß der Krieg schneller beendet würde. Dazu könnte Sabotage an Funkmeßgeräten, Granaten, Munition und anderen kriegswichtigen Maschinen helfen. Ich war bei einem Flakabteilungsstab und hatte keine Möglichkeit, dies zu bewerkstelligen. Bei einer so kleinen Einheit wäre ich sofort aufgefallen. Remus wurde 1943 als Mitglied der "Roten Kapelle" zum Tode verurteilt und hingerichtet. Liane wurde verhaftet. Sie war schwanger, hat das Kind austragen müssen, das ihr nach der Geburt weggenommen wurde. Auch Liane wurde hingerichtet. Zu dieser Zeit war ich bereits auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz. Viele Freunde waren gefallen, darunter Janek und Hasch. Alle waren jetzt Soldaten, die Urlaube immer seltener, aber die Verbindungen rissen trotzdem nicht ab.

Am 8. Mai 1943 kam ich in britische Gefangenschaft. Es hatte mich noch kurz vorher erwischt. Mit Bombensplittern in Armen und Rücken. Wir wurden den amerikanischen Truppen übergeben und nach USA verschifft. Im dortigen Kriegsgefangenenlager traf ich Hans Hene, den älteren Bruder von Jochen Hene aus Pößneck, der dort nach der Flucht von tusk die "Deutsche Jungenschaft" führte. Gemeinsam schrieben wir einen Brief an tusk nach London.

In USA erfuhr ich vom Tod meiner Mutter. Sie galt bei den Nazis als "Halbjüdin". Obwohl sie evangelisch getauft war, entging sie nicht der Deportation. Am 23. August 1943 wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, und dort ist sie angeblich an "Herzmuskelschwäche" gestorben. Die jüdischen Briefzensoren im Gefangenenlager, Schild und Rosenzweig, beantragten meine Verlegung in das Antifa-Lager Fort Devens. Hans Hene wurde mitverlegt. In Fort Devens begrüßte mich der Frankfurter Nerother Willy W., der über eine Strafkompagnie in die rettende Kriegsgefangenschaft gelangt war.

Am 16. Januar 1946 war ich wieder in der Heimat. Hier hatten die überlebenden Freunde schon begonnen, eine neue Jungenschaftsgruppe aufzubauen. Einige Berliner waren nach Frankfurt umgesiedelt und halfen uns dabei. Am 7. Mai 1947 wurde die "autonome jungenschaft frankfurt" durch die US- Militärregierung als Jugendgruppe zugelassen.
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