Texte und Kommentare


Hitler am 2.Dezember 1938 in Reichenberg an die deutsche Jugend:

"Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes, als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisationen hineinkommen, ... dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück, ...sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei, die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort zwei Jahre oder anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs oder sieben Monate geschliffen, ... dann die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre, und dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort wieder in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben."

Mit dieser Rede wurde ausgesprochen, was wir seit der Machtübernahme 1933 ahnten. Die Jugendbewegung sollte restlos zerschlagen werden.

 

Bündischer Selbstschutz,

eine illegale Gruppe ehemaliger Jugendbewegter, die versuchte, überregionale Kontakte unter Gleichgesinnten aufzubauen.

"Der Angeklagte kannte das Verbot der bündischen Jugend, ihm war auch die Gefährlichkeit seines Handelns zum Bewußtsein gekommen, das läßt seine Mahnung, in Briefen vorsichtig zu sein und manches zu umschreiben, deutlich erkennen (...).

Es kommt die Gefährlichkeit der bündischen Jugend an sich hinzu. Durch den Zusammenschluß Gleichgesinnter in Geheimorganisationen besteht die große Gefahr, daß diese zum Sammelbecken staatsfeindlicher Elemente werden, die sich dadurch nach außen tarnen wollen. Darüber hinaus ist die Einstellung der gesamten bündischen Jugend grundsätzlich gegen jede staatliche Ordnung gerichtet, kann also geradezu als anarchistisch angesehen werden (...). Aus diesen Gründen muß gegen jeden Versuch, derartige verbotene Bewegungen fortzuführen, mit besonderer Strenge vorgegangen werden."

(Urteil des Sondergerichts für den Bezirk des Oberlandesgerichts Naumburg/S. in Halle vom 28.1.1939)

 

Inge Scholl in "Die weiße Rose"über das Milieu der Jugendgruppen

"...da war die "Jungenschaft", eine kleine Gruppe von Freunden. Die "Jungenschaft" gab es in verschiedenen Städten in Deutschland, vor allem dort, wo sich noch kulturelles Leben regte. Sie waren Reste der zersprengten Bündischen Jugend und eigentlich schon längst von der Gestapo verboten. Sie hatten ihren eigenen, sehr eindrucksvollen Stil, der aus den Jungen selbst gewachsen war. Sie erkannten sich an der Art, wie sie sich kleideten, an ihren Liedern und an ihrer Sprache. Ich weiß nicht, ob man eine solche Sache überhaupt beschreiben kann. Man muß sie erlebt haben. Für diese Jungen war das Leben ein großes herrliches Abenteuer, eine Expedition in eine unbekannte, verlockende Welt. (...) Aber mit all dem ist eigentlich gar nichts Präzises gesagt." (Inge Scholl 1952, S.19ff.)

Inge Scholls Brüder Hans und Werner Scholl waren - nach kurzer Zeit in der HJ - in einer illegalen dj.1.11 Gruppe. Anklage 1937 wegen "bündischer Betätigung".



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